19. Juni 2024
Klimapate des Jahres kommt aus Bornheim-Uedorf
Am 25. Juli 2024 erhielt Rudolf Kron die Auszeichnung KlimaPate des Jahres 2024 für die „schrittweise energetische Sanierung eines Altbaus aus den 1950er Jahren“ als Prozess über einen jahrelangen Zeitraum. Von der Dämmung über Energiegewinnung samt Speichertechnik bis zum Elektroauto.
Mit dieser Ehrung werden jährlich besondere Initiativen und Maßnahmen für den Klimaschutz hervorgehoben. Die Ehrung wird vom KlimaPatenNetzwerk der Region Rhein-Voreifel durch Prof. Hermann Schlagheck, Swisttal, mit der Überreichung einer Glasstele vollzogen. „Diese Auszeichnung wird nun bereits zum dreizehnten Mal vergeben. Sie soll einerseits auf besondere Leistungen einzelner Mitglieder aufmerksam machen und andererseits zum Nachmachen anregen. Der diesjährige Klimapate steht für eine Generation, die nicht selten Investitionen in Energieeffizienz und Klimaschutz mit einem Spruch wie „das lohnt sich für mich nicht mehr“ oder „da fang ich nicht mehr mit an“ verdrängt. Rudolf Kron gibt durch sein Engagement ein treffliches Gegenbeispiel ab“, so der Koordinator des KlimaPatenNetzwerks.
„Praktizierter Klimaschutz ist keine Frage des Alters und keine Sache von heute auf morgen! Es ist ein Prozess über einen längeren Zeitraum – in diesem Fall von mehr als drei Jahrzehnten. Dazu braucht es neben guter Kondition und einer Prise Ehrgeiz, auch ein festes Ziel vor Augen.“ So beschreibt es die Laudatorin Andrea Madea, ebenfalls Mitglied des Netzwerkes der KlimaPaten.
Geboren ist Rudolf Kron 1942 in Bonn, also ein echter Bönnsche Jung. Als ehemaliger leitender Mitarbeiter eines internationalen Chemiekonzerns hat er einen breiten Erfahrungsschatz im Bereich Elektrotechnik und Wärmeträgertechnik. Rudolf Kron konzentrierte sich während seiner beruflichen Laufbahn auf Flüssigkeiten zur effizienten Strom- und Wärmeübertragung.
Dieses berufliche Interesse an effizienter Energieversorgung führte über mehrere Jahre hinweg zu verschiedenen Maßnahmen zur energetischen Optimierung des eigenen Hauses: Die Schwerpunkte lagen in ihrem zeitlichen Ablauf auf der Energieeinsparung durch Dämmung und der Nutzung erneuerbarer Energiequellen zur Strom- und Wärmeproduktion.
Hier in chronologischer Abfolge:
1. Die Umbau- und Ausbaumaßnahmen begannen ab 1989. Von der Teilentkernung im Wohnbereich, über Neuverlegung von Elektrik und Wasser bis Dämmung des Dachbodens.
2. Im Jahr 2007 folgte der Einbau einer neuen energieeffizienten Ölheizung mit Brennwerttechnik.
3. Zur thermischen Aufbereitung von Brauchwasser wurde 2008 eine Thermosolaranlage mit zwei Modulen (546 kWh pro Quadratmeter pro Jahr) auf dem Dach angebracht. Unterstützt wird sie von einer Luft/Wasser-Wärmepumpe mit einer Leistung von 0,43 kW für sonnenarme Wintertage. Durch diese Kombination konnte Rudolf Kron die Warmwasserbereitung vom Heizungssystem entkoppeln, somit vom Ölverbrauch trennen und die Energieeffizienz signifikant steigern.
4. Nach thermographischen Analysen 2010 und 2013 wurden die wärmeverlierenden Bereiche aufgezeigt und die Vorgaben für Außen- und Innendämmung gegeben. Eine wichtige Maßnahme war 2013 die Erneuerung von Fenster und Türen mit 3fach-Verglasung.
5. In die Zeit fiel die Installation einer Photovoltaikanlage im Jahr 2011 auf dem Dach. Sie umfasst 36 PV-Module mit 6,3 kWp. Der Strom wird sowohl ins Netz eingespeist als auch für den Eigenverbrauch genutzt. Pro Jahr kamen im Jahr 2013 auf den knapp 48 m2 Dachfläche ein Jahresertrag von 5.500 kWh zusammen.
6. Durch den Mehrwertsteuererlass – schon damals – und die Möglichkeit, einen Teil der Investition über mehrere Jahre steuerlich abzusetzen, konnte Rudolf Kron auch ohne Fördermittel profitieren.
7. Die Anschaffung eines ersten Elektroautos (ein VW-e-Golf) im September 2018 in zeitnaher Verbindung mit einer Wallbox, war durch die autarke Möglichkeit „des Betankens“ mit eigener Solarenergie eine logische Konsequenz.
8. Nach 12 Jahren Betrieb der PV-Anlage, musste das Wechselrichtersystem im Jahr 2023 erneuert werden. Es folgte eine Neuinstallation mit einem All-in-One System, d.h. eine Speicher-plus-Wechselrichter-Kombination mit Energiemanagement. Das Besondere ist die Zusammensetzung des Speichers. Hierbei handelt es sich um neueste hocheffiziente Hochvolt-Speichertechnik mit Lithium-Eisenphosphat-Akkus (LiFePO4-Technologie), die für ihre Langlebigkeit und Umweltfreundlichkeit bekannt sind (lt. Hersteller).
9. Wichtig ist Herrn Korn die Notstrom-Funktion, d.h. eine unterbrechungsfreie Stromversorgung bei Störungen oder ganzen Ausfällen im Stromnetz. Das System schaltet sich automatisch vom Netzbetrieb ab und den (Not)-Strom aus dem Batteriespeicher an. Mit der zusätzlichen „Backup Box“ kann dieser gespeicherte Batteriestrom – nach entsprechender Installation der Verbrauchsstellen – im ganzen Haus genutzt werden. Diese Maßnahme endete erst Ende letzten Jahres. Kosten für dieses All-in-One System plus Backup Box plus Installation liegen im unteren fünfstelligen Bereich.
10. Im Dezember 2023 folgte die Anbringung eines sogenannten Balkonkraftwerks mit 800 Watt als Ergänzung. Durch eine Westdachinstallation und die neue bifaziale* Halbzellentechnologie dient sie als Unterstützung im Winter bei tiefem Sonnenstand und optimiert im Sommer die Energieaufnahme durch die Abendsonne.
11. Der aktuelle Kilowattstunden-Ertrag der neuen Anlage liegt nach einem Jahr – genau im Juni diesen Jahres – bei 6.500 kWh. Und lag der Autarkiegrad im Jahr 2013 noch bei 20 %, so liegt er jetzt mit Speicher und Auto bei 60,56 %. Also eine deutliche Steigerung.
Heute steht hier ein Bungalow, der einen effizienten und klimaschonenden Zustand mit Schwerpunkt Dämmung und Stromversorgung erreicht hat. Der Prozess der Nutzung erneuerbarer Energien ist noch nicht zu Ende. Die Gedanken von Herrn Kron richten sich auf die zukünftige Wärmeproduktion und wie es damit „nicht-fossil“ weitergehen kann. Eine dafür taugliche Anlage hat er bereits.
Das KlimaPatenNetzwerk freut sich, Herrn Rudolf Kron für sein nachhaltiges und klimafreundliches Engagement als KlimaPaten des Jahres 2024 zu ernennen.
Andrea Madea